17. March 2007
Anlässlich der Ausstellung "Donald Duck - Die Ente ist Mensch geworden" im Karikaturmuseum Krems
Helnwein: "In Europa hat Donald eine viel grössere Bedeutung erlangt als in seinem Geburtsland Amerika, wo er mit einer Phalanx von aufgeblähten, stiernackigen Super-Heroes in engen Trikots konkurieren musste. Amerika war damals auf dem Höhepunkt seiner politischen und wirtschaftlichen Macht und strotzte nur so vor Selbstbewusstsein und Allmachtsphantasien, die sich auch in in ihren neuen Mythen ausdrückte.
Zwischen Superman, Captain America, den Power Rangers, oder was sie sonst noch an phantasievollen Namen hatten, mit ihren gewaltigen Oberweiten und den Fähigkeiten durch die Lüfte zu zischen, Energiestrahlen auszusenden, die alles versengten, was da kreuchte und fleuchte, oder Wolkenkratzer zerkrümmeln zu können, als ob sie Kekse wären, - dagegen nahm sich dieser bleiche, schmalschultrige Erpel im Matrosenjäckchen und ohne Hose doch ein bisschen ärmlich aus.
Für uns Kinder in Österreich und Deutschland, deren Eltern gerade den 2ten Weltkrieg verloren, und uns eine gewisse Leere und Ratlosigkeit hinterlassen hatten, war der Verlierer und Pechvogel Donald hingegen eine sehr gute Identifikationsfigur."
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