12. March 1982
Sie sind doch kein Sadist, Herr Helnwein, fragen Leute schockiert, wenn sie die weitverbreiteten Bilder des Wiener Künstlers sehen, etwa hier sein Selbstbildnis:
Gottfried Helnwein, Portrait eines erfolgreichen Malers. (Seite 30)
Gottfried Helnwein, Sohn eines Postbeamten, Ministrant, Klosterschüler, Meisterschüler Rudolf Hausners:
Warum malt einer so?
Warum malträtiert er sich so in seinem Selbstportrait (siehe Titelblatt):
den Kopf bandagiert, Wundhaken in die Augen gebohrt, den Mund weit aufgerissen zu einem wahmnsinnigen Schrei? Ein Schrei des Schmerzes und des Schocks, der Angst, des Entsetzens, der Aufschrei eines Gequälten und Geblendeten.
Es ist das Echo jener Schreie überall auf der Welt, die weit schrecklicher sind als dieser Schrei der Kunst.
"Einer erstellt die summe seiner beobachtungen in dieser welt der patzer und dämonen", schreibt H.C.Artmann über Helnwein, "er vernimmt die schreie aus den gekachelten schreckträumen einer satten gesellschaft..."
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